Kommt die Einheitsversicherung?
Es ist stets ein gutes Prinzip, erfolgreiche Konzepte beizubehalten und jene Ideen, die nicht mehr dazu geeignet scheinen sich fortsetzen zu lassen, neu zu überdenken. Im Zusammenhang mit der Krankenversicherung denken Politiker und Fachausschüsse derzeit über den umgekehrten Weg nach: Während die gesetzlichen Krankenkassen immer wieder die Grenzen der Finanzierbarkeit erreichen erfreut sich die Private Krankenversicherung derzeit noch einer soliden Stabilität, wie sie anderswo in unserem System der gesundheitlichen Sicherung kaum mehr gegeben ist. Dennoch wird in Erwägung gezogen mittels einer Einheitsversicherung, das erfolgreiche System der Privaten Krankenversicherung mehr und mehr dem problematischen Konzept der gesetzlichen Krankenkassen anzugleichen und die Konditionen beider Versicherungssysteme zu synchronisieren.
Im Grunde mag dies eine seltsame Strategie sein, das Erfolgskonzept aufzugeben zugunsten eines Weges, der sich nur als bedingt erfolgreich erwiesen hat. Was ist die Motivation dieser Idee? Der Privaten Krankenversicherung wird häufig nachgesagt, sich nicht ausreichend am Solidarprinzip zu beteiligen. Während die gesetzlichen Krankenkassen insbesondere auch jene Mitglieder aufzunehmen verpflichtet sind, die schon ein betagtes Lebensalter erreicht haben oder von chronischen Krankheiten betroffen sind, richten sich die Privaten Krankenversicherungen schwerpunktmäßig an besser verdienende Mitglieder und selbständig tätige Menschen mit gehobenem Bildungsstand, denen auch die Eigenverantwortung zur Gesundheitsvorsorge kein Fremdwort sein dürfte. Ziel der Einheitsversicherung wäre es, eine Versicherungsfreiheit für alle Menschen zu ermöglichen, die auch mit dem Umstand verbunden wäre, dass Private Krankenversicherungen sich der Versicherung eines problematischeren Patienten nicht mehr verweigern könnte. Es mag abzuwarten sein, welche politische Partei diese Idee beim kommenden Bundestagswahlkampf zum Programm machen wird, doch die Vergangenheit hat gezeigt, dass auch radikale Reformen dazu neigen, aufgrund der Notwendigkeit zur Koalitionsbildung im politischen Alltag in einer Kompromisslösung und einer weiteren gemäßigten Gesundheitsreform zu enden.